Wie Hydrodestillation die moderne Parfümerie prägt

11 Min. Lesezeit

Kurzüberblick

Wie Hydrodestillationsparameter und Hilfsmethoden Ausbeute, Duftprofil, Kosten und EU-Konformität von ätherischen Ölen beeinflussen.

How Hydrodistillation Shapes Modern Perfumery

Die Hydrodestillation ist nach wie vor von zentraler Bedeutung, da bereits minimale Prozessanpassungen sowohl die Ölausbeute als auch das Duftprofil verändern können. Von der Temperatur und der Laufzeit bis hin zur Partikelgröße und dem Wasserverhältnis kann das Verfahren ein Öl von strahlenden Kopfnoten hin zu schwereren Facetten in der Basisnote verschieben.

Auf den Punkt gebracht sind dies die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Die Hydrodestillation bleibt ein Referenzstandard in der europäischen Duft- und Kosmetikherstellung, einschließlich Deutschland.
  • Höhere Temperaturen und längere Laufzeiten können den Ertrag steigern, schwächen jedoch mitunter leichtere Aromamoleküle ab.
  • Kürzere oder apparativ unterstützte Verfahren wie mikrowellen- oder ohm-basierte Aufbauten senken Zeit- und Energieaufwand.
  • Hydrodestillation, Wasserdampfdestillation und Lösungsmittelextraktion führen jeweils zu einem eigenständigen Duftergebnis.
  • EU-Vorschriften und ISO-Normen besitzen das gleiche Gewicht wie der Laboraufbau selbst, da Hersteller Rückverfolgbarkeit, Allergenanalysen und Chargenkontrollen gewährleisten müssen.

Für die Parfümerie ist die Schlussfolgerung eindeutig: Die Extraktionsmethode bestimmt nicht nur die Menge des gewonnenen Öls – sie prägt den Rohstoff selbst. Dies beeinflusst die Strahlkraft, Tiefe und Haltbarkeit eines Duftes sowie die Kosten pro Charge in €.

Hydrodestillationsverfahren zur Extraktion ätherischer Öle

Quick Comparison

MethodeWesentlicher KompromissOlfaktorischer EffektTypischer Einsatzbereich
HydrodestillationHöhere thermische Belastung und intensiver WasserkontaktStrahlender Auftakt, Hitze kann das Profil im Zeitverlauf jedoch verschiebenReferenzverfahren, EU-weit etabliert
WasserdampfdestillationGeringerer Wasserkontakt, weiterhin hitzeintensivOft runder und facettenreicherVerbreitet, wenn feine Nuancen entscheidend sind
LösungsmittelextraktionErhöhter Aufwand für Aufreinigung und RückstandskontrolleSchwereres, reichhaltigeres, basisbetontes ErgebnisBevorzugt, wenn schwerflüchtige Bestandteile erwünscht sind
Unterstützte HydrodestillationHöhere Anschaffungskosten für EquipmentSchont delikate Noten durch geringere thermische BelastungIdeal bei Fokus auf Zeitersparnis, Energieeffizienz und Durchsatz

Die moderne Parfümerie betrachtet die Hydrodestillation daher nicht als veraltetes Handwerk. Sie ist eine gezielte Prozessentscheidung, die Duftcharakter, Qualitätskontrolle und Herstellungskosten gleichermaßen definiert.

Funktionsweise der Hydrodestillation und prozessuale Einflussfaktoren

Prozessgrundlagen und Standardaufbauten

Die Hydrodestillation folgt einem klaren Prinzip: Pflanzenmaterial wird in Wasser eingebracht, erhitzt und der ölhaltige Dampf kondensiert, um ätherisches Öl und Hydrolat voneinander zu trennen. Beim Erhitzen der Mischung steigen die aromatischen Verbindungen zusammen mit dem Wasserdampf als azeotropes Gemisch auf – Öl und Wasser destillieren somit unterhalb des regulären Siedepunkts des Öls ab. Kühlt der Dampf ab, teilt er sich in eine Öl- und eine Wasserphase.

Die wässrige Phase bildet das Hydrolat, während die ölige Schicht als ätherisches Öl abgeschieden wird. Im Labor erfolgt diese Trennung häufig mithilfe einer Clevenger-Apparatur. Diese führt das kondensierte Wasser über ein Siphonrohr in den Kolben zurück, während sich das Öl in einer kalibrierten Vorlage sammelt und direkt in Millilitern abgelesen werden kann. Die Clevenger-Falle sorgt somit parallel für Kondensatkreislauf und exakte Volumenbestimmung. Aus diesem Grund dient sie Forschern bis heute als Referenz beim Vergleich neuerer Extraktionsverfahren.

In der Praxis unterscheidet man im Wesentlichen drei Aufbauten:

  • Wasserdestillation: Das Pflanzenmaterial befindet sich direkt im kochenden Wasser. Diese Methode ist unkompliziert, allerdings kann der dauerhafte Kontakt mit siedendem Wasser empfindliche Verbindungen zersetzen.
  • Wasser-Dampf-Destillation: Das Pflanzenmaterial lagert oberhalb des Wasserspiegels und wird ausschließlich von aufsteigendem Dampf durchströmt. Dies schützt fragile Terpene und sauerstoffhaltige Komponenten.
  • Direkte Dampfdestillation: Der Dampf wird extern erzeugt und in einen separaten Behälter eingeleitet. Diese Konfiguration ermöglicht höhere Durchsätze und eine präzisere Prozesssteuerung.

Jede Variante erfordert eine Abwägung zwischen thermischer Belastung, Ausbeute und apparativem Aufwand. Diese Parameter bestimmen maßgeblich, wie Temperatur, Zeit und Wasserkontakt das finale Öl prägen.

Einfluss von Temperatur, Zeit, Partikelgröße und Flottenverhältnis

Vier Variablen bestimmen das Resultat maßgeblich: Temperatur, Destillationsdauer, Partikelgröße und das Verhältnis von Wasser zu Pflanzenmaterial. Schon geringfügige Verschiebungen modifizieren Ausbeute und Duftprofil.

Unter Normaldruck erfolgt die Hydrodestillation meist nahe 100 °C. Die exakte Temperaturführung ist jedoch entscheidend: In einer Kamillenstudie erzielte ein modifizierter Aufbau bei 150 °C die höchste Ausbeute von 0,5–0,6 %, während eine Absenkung auf 100 °C den Ertrag auf etwa 0,30 % verringerte. Gleichzeitig bewahrte die niedrigere Temperatur mehr Hauptkomponenten im Öl. Steigt die Hitze über etwa 175 °C, drohen Zersetzungsprozesse und brenzlige Fehlnote.

Die Laufzeit folgt typischerweise einer degressiven Kurve: Der Ertrag steigt anfangs steil an und flacht dann ab. Bei Mentha spicata (Grüne Minze) lieferten Destillationszeiten von 60, 90 und 120 Minuten jeweils Ausbeuten über 1,55 % ohne statistisch signifikanten Unterschied. Aus ökonomischer Sicht erwiesen sich 60 Minuten als optimal. Holzige Rohstoffe verlangen andere Parameter: Bei Cupressus-Öl führten etwa 4 Stunden bei 100 °C zum besten Ergebnis, da dichteres Pflanzengewebe dem Dampf mehr Widerstand entgegensetzt.

Auch die Partikelgröße wirkt sich spürbar aus. Eine Zerkleinerung auf etwa 0,5–2 mm liefert häufig die besten Resultate. Dieses Spektrum erleichtert den Stoffübergang für Wasser und Dampf, ohne dass sich das Pflanzenbett zu stark verdichtet und den Dampffluss blockiert. Oft bietet eine mittlere bis grobe Zerkleinerung kombiniert mit einer Laufzeit von rund 60 Minuten den idealen Kompromiss aus Ausbeute und Prozesseffizienz.

Das Wasser-Pflanzen-Verhältnis (angegeben in ml Wasser pro g Pflanzenmaterial) beeinflusst sowohl die Dampfentwicklung als auch den Energieverbrauch. Eine Optimierungsstudie identifizierte ein Verhältnis von ca. 1:30 (g:ml) als ausgewogenen Richtwert für maximale Ausbeute. Zu wenig Wasser birgt die Gefahr lokaler Überhitzung; ein Überschuss bringt keinen Ertragszuwachs und erhöht lediglich den Energiebedarf.

ProzessvariableTypischer BereichWirkung
Temperatur≈100 °C bei 1 bar; teils 100–175 °C in modifizierten AufbautenHöhere Hitze kann die Ausbeute steigern; zu hohe Temperaturen führen zu Zersetzung und Fehlnoten
Laufzeit30 Minuten – 4 StundenSchneller Ertragsanstieg mit anschließender Abflachung; holzige Materialien benötigen längere Intervalle
Partikelgröße0,5–2 mmKleinere Partikel fördern den Stoffübergang; zu feines Material kann die Schüttung verdichten
Wasser-Pflanzen-Verhältnis1:5 bis 1:50 (g:ml)Beeinflusst Dampfbildung, Ertrag und Energieverbrauch

Diese Faktoren verdeutlichen, dass Hydrodestillation weit mehr ist als reines Erhitzen und Auffangen. Der Aufbau und die Prozessbedingungen entscheiden über Quantität und Qualität des Destillats. Aus diesem Grund bleibt die Hydrodestillation der Maßstab zur Bewertung modernerer Extraktionstechnologien.

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Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Duftprofil, Ausbeute und Duftqualität

Hydrodestillation vs. Wasserdampfdestillation vs. Lösungsmittelextraktion: Ausbeute, Duft & Effizienz

Hydrodestillation vs. Wasserdampfdestillation vs. Lösungsmittelextraktion: Ausbeute, Duft & Effizienz

Der Einfluss der Hydrodestillation auf die chemische Zusammensetzung

Die gewählten Prozessparameter spiegeln sich unmittelbar im chemischen Profil wider. Die Hydrodestillation liefert häufig Öle mit hohem Anteil an Monoterpen-Kohlenwasserstoffen, wenngleich Pflanzenart und Produktionsmaßstab das Profil in Richtung sauerstoffhaltiger Verbindungen oder Sesquiterpene verschieben können. Bei Myrtus communis dominierte α-Pinen, begleitet von geringeren Mengen an 1,8-Cineol und Linalool. Eine Pfefferminzstudie aus dem Jahr 2026 belegte, dass die Hydrodestillation zu mehr Monoterpen-Kohlenwasserstoffen und weniger sauerstoffhaltigen Monoterpenen führte.

Für Parfümeure ist diese Verschiebung signifikant: Eine längere Hitzeeinwirkung begünstigt die Esterhydrolyse sowie den thermischen Abbau empfindlicher Moleküle wie Limonen und Myrcen. Eine Vergleichsstudie an Heteromorpha arborescens veranschaulichte dies: Eine längere Hydrodestillation verlagerte das Profil zu robusteren Sesquiterpenen wie Germacren D, Humulen und α-Elemen, wohingegen eine raschere mikrowellenunterstützte Extraktion höhere Anteile an Limonen und anderen delikaten Monoterpenen bewahrte. Höhere Erträge durch lange Destillationszeiten gehen somit oft zulasten der Frische in der Kopfnote.

Lavendel verdeutlicht dieselbe Dynamik: Die Hydrodestillation erzielte die höchste Ausbeute, überkritisches CO₂ bewahrte mehr Linalylacetat, und Lösungsmittelextrakte brachten störende Cumarin-Begleitnoten mit sich.

Olfaktorische Auswirkungen veränderter Zusammensetzungen

Diese chemischen Klassen bestimmen unmittelbar die Entfaltung, Entwicklung und Haltbarkeit des Duftes. Monoterpen-Kohlenwasserstoffe wie α-Pinen, Limonen, β-Ocimen und Myrcen prägen die frische, flüchtige Kopfnote: zitrische, grüne, nadelwaldartige und krautige Nuancen, die zuerst wahrnehmbar sind und am schnellsten verfliegen. Sauerstoffhaltige Monoterpene wie Linalool, Linalylacetat, 1,8-Cineol und Terpinen-4-ol bilden die Herznote und verleihen florale Fülle sowie Struktur. Sesquiterpene wie Germacren D, Humulen und Caryophyllen verankern sich in der Basisnote und stiften holzige, balsamische und dezent würzige Töne mit langer Haftung auf Haut und Riechstreifen.

Fraktionierte Destillationsstudien belegen diese Entwicklung: Eine Verlängerung der Destillationsdauer von ca. 80 auf 160 Minuten verschob das Spektrum von monoterpenreichen Fraktionen mit Linalylacetat, Campher und Fenchol hin zu Sesquiterpenen wie α-Bisabolol und β-Eudesmol. Eine längere Extraktion transformiert das Bouquet somit von spritzig-leicht zu gehaltvoll-dicht. Für Parfümeure liefern frühe Fraktionen Klarheit und Frische, während spätere Auszüge Tiefe und Substanz beisteuern.

Hydrodestillation, Wasserdampfdestillation und Lösungsmittelextraktion im Direktvergleich

Vergleichende Analysen zeigen übereinstimmend: Kein Extraktionsverfahren ist in jeder Hinsicht überlegen. Untersuchungen an Lorbeerblättern (Laurus nobilis) ergaben für die Hydrodestillation eine höhere Ausbeute von 0,95 % gegenüber 0,79 % bei der Wasserdampfdestillation. Das wasserdampfdestillierte Öl wies jedoch mit 73 gegenüber 54 mehr identifizierte Einzelsubstanzen auf und zeigte stärkere antimikrobielle sowie antioxidative Eigenschaften. Dies deutet auf ein nuancierteres Duftprofil hin – trotz geringeren Volumens. Die Lösungsmittelextraktion erfasst zudem schwerflüchtige Bestandteile wie Wachse und schwere Aromate. Dies verleiht der Basisnote Fülle, birgt jedoch das Risiko von Lösungsmittelrückständen und erfordert zusätzliche Reinigungsschritte.

MethodeAusbeute (%)Dominante SubstanzklassenTypische ExtraktionszeitRisiko von Hitze & HydrolyseTypisches Duftresultat
HydrodestillationCa. 0,3–3,5 % bezogen auf die Trockenmasse; Optimierungsstudien erreichen rund 3,2–3,4 %Monoterpen-Kohlenwasserstoffe; variable Anteile an sauerstoffhaltigen Monoterpenen und Sesquiterpenen60–180 MinutenMäßig bis hoch; Esterhydrolyse und Monoterpenabbau möglichPräsente Kopfnote; klassisches Profil eines ätherischen Öls
WasserdampfdestillationVariabel; in Übersichten oft höher als HD, jedoch stark artenabhängigHäufig höherer Anteil an sauerstoffhaltigen MonoterpenenMeist länger als HD; ein Pfefferminzvergleich lag bei ca. 2–7 StundenGeringeres Hydrolyserisiko als HD; thermischer Abbau weiterhin möglichRundere, komplexere Profile; bevorzugt für subtile Facetten
LösungsmittelextraktionKann Hydrodestillation übertreffen; eine Lavendelstudie dokumentierte 7,6 % gegenüber 4,6 % bei HDBreites Spektrum inklusive Nichtflüchtiger, Wachse und schwerer AromastoffeVariabel; oft kürzere aktive KontaktzeitGeringe thermische Belastung; Risiko von Lösungsmittelrückständen und FehlgerüchenReichhaltige, Absolue-artige Basisnoten; weniger reine Kopfnoten; bedarf der Aufreinigung für die Feinparfümerie

Aus diesem Grund zielen neuere Verfahren darauf ab, die Geruchsreinheit der Hydrodestillation mit optimierten Erträgen zu verbinden.

Moderne Hydrodestillation in der europäischen Parfümproduktion

Varianten mit Mikrowellen-, Ohmscher, Ultraschall- und Solarenergie

Der wesentliche Nachteil der konventionellen Hydrodestillation liegt auf der Hand: Sie erfordert viel Zeit und kontinuierliche Hitze. Verweilt Pflanzenmaterial lange in kochendem Wasser, können feine Aromamoleküle verblassen, sich verändern oder ihre Strahlkraft einbüßen. Moderne Verfahren zielen daher darauf ab, den Energieeintrag in das Pflanzenmaterial so zu optimieren, dass die Extraktion schonender für das Duftprofil erfolgt.

Besonders intensiv erforscht ist die mikrowellenunterstützte Hydrodestillation (MAHD). Sie erwärmt Wasser und Pflanzenmasse schneller und homogener, was die Extraktionszeit drastisch verkürzen kann. Bei Rosmarin erzielt MAHD die gleiche Ausbeute in 20–30 Minuten, für die eine klassische Hydrodestillation 90–180 Minuten benötigt; der Energieverbrauch sinkt dabei von 2,25 kWh auf 0,23 kWh pro 100 g Pflanzenmaterial. Eine Metaanalyse wies für MAHD eine durchschnittliche Zeitersparnis von 67,17 % und eine Ertragssteigerung von 32 % gegenüber dem Standardverfahren nach. Bei Rosmarin stieg zudem der Anteil sauerstoffhaltiger Verbindungen um 17 %, was zu einem frischeren, lebendigeren Duftcharakter führt.

Andere unterstützende Technologien verfolgen denselben Zweck: Ultraschall schließt das Zellgewebe auf, ohmsche Erwärmung minimiert Temperaturgradienten im Material, und solarunterstützte Systeme reduzieren den Verbrauch fossiler Energie. Für Hersteller ist dabei ein Detail entscheidend: Wasser- oder dampfbasierte Varianten gelten gemäß ISO 9235 weiterhin uneingeschränkt als ätherische Öle.

Europäische und deutsche Normen, Analytik und Kostenrahmen

In der europäischen Duftstoffindustrie ist technologische Optimierung stets an regulatorische und wirtschaftliche Vorgaben gekoppelt. ISO 9235 und DIN EN ISO 9235 definieren ätherische Öle als Erzeugnisse, die aus pflanzlichen Rohstoffen durch Wasser- oder Wasserdampfdestillation, mechanische Abpressung oder Trockendestillation gewonnen werden. Wasser- oder dampfbasierte Innovationen bleiben somit normkonform, sodass Produzenten ihre Anlagen modernisieren können, ohne den Status des Extrakts nach ISO 9235 zu gefährden.

Auch Dufthersteller in Europa müssen die EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 und die aktualisierten Vorschriften zur Allergenkennzeichnung gemäß der Verordnung (EU) 2023/1545 der Kommission einhalten. Diese Vorschriften erweitern die verpflichtende Angabe auf der Verpackung bis 2026 von 26 auf 56 Duftstoffallergene. Das wirkt sich auf die Rezepturplanung und die Kennzeichnung aus, verhindert jedoch nicht den Einsatz der Hydrodestillation selbst. Es bedeutet, dass Hersteller eine lückenlose Rückverfolgbarkeit, eine Analyse der Zusammensetzung, IFRA-Zertifikate und Allergenangaben benötigen.

Für die Produktion im deutschsprachigen und europäischen Raum sind primär folgende Kennzahlen ausschlaggebend:

  • € pro kg ätherisches Öl
  • Energieverbrauch pro Charge
  • Prozentuale Ausbeute
  • Durchsatz pro Stunde
  • Kosten für Abwasser und Reststoffverwertung

Bei hochwertigen pflanzlichen Rohstoffen wie Lavendel, Rosmarin, Thymian, Minze oder Basilikum rechnet sich ein energie- und zeiteffizientes Verfahren häufig auch dann, wenn die anfänglichen Anlageninvestitionen höher ausfallen.

Vergleichstabelle der Prozessvarianten

Die spezifischen Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten sind in der folgenden Übersicht zusammengefasst.

MethodeEnergieverbrauchExtraktionszeitErtragstendenzCO₂-IntensitätEignung für sensible Duftrohstoffe
Konventionelle HydrodestillationHoch; z. B. 2,25 kWh pro 100 g Rosmarin90–180 Min. für Rosmarin; teils mehrere Stunden für andere PflanzenAusgangsbasis / ReferenzHöher pro kg Öl infolge langer LaufzeitenMäßig; anhaltende Hitze kann die Klarheit der Kopfnote mindern und die Zusammensetzung verschieben
Mikrowellenunterstützte Hydrodestillation (MAHD)Niedrig; z. B. 0,23 kWh pro 100 g Rosmarin15–75 Min. je nach RohstoffOft gleich oder höher; durchschnittlich +32 % in einer MetastudieDeutlich geringer pro kg ÖlHoch; kürzere thermische Belastung schützt sauerstoffhaltige Komponenten und zarte Kopfnoten
Ohmisch unterstützte HydrodestillationMäßige Reduktion gegenüber konventionellKürzer als konventionell; Innenwiderstandserwärmung verringert TemperaturgradientenVergleichbar oder leicht erhöhtNiedriger bei Nutzung von Strom aus erneuerbaren QuellenGut; gleichmäßige Erwärmung verhindert lokale Hotspots
Ultraschallunterstützte SystemeMäßig; besonders wirksam als VorbehandlungKürzer bei Einsatz als Vorstufe oder BeschleunigerKann die Ausbeute durch verbesserten Stoffaustausch steigernMäßig; abhängig vom GesamtsystemGut für zahlreiche Botanicals; Resultat abhängig von Material und Konfiguration
Solarunterstützte HydrodestillationMinimaler Einsatz fossiler EnergieträgerOft ähnlich der konventionellen Methode, jedoch witterungs- und standortabhängigVergleichbar mit konventioneller DestillationNiedrigster CO₂-Fußabdruck bei geeigneten KlimabedingungenMäßig; ideal für die saisonale Verarbeitung in sonnenreichen Anbaugebieten

Diese Parameter bestimmen letztlich das olfaktorische Profil und die wirtschaftliche Rentabilität.

Fazit: Die Bedeutung der Hydrodestillation für moderne Dufterlebnisse

Zentrale wissenschaftliche Erkenntnisse

Die Hydrodestillation bildet nach wie vor ein solides Fundament der europäischen Gewinnung ätherischer Öle. Die Forschungsergebnisse bestätigen konsistent den Zusammenhang zwischen Prozessparametern, Ausbeute und Duftcharakter.

Kleine und mittelständische Destillerien in Deutschland und der gesamten EU nutzen sie unverändert für Rohstoffe wie Rosa damascena, Lavendel, Rosmarin, Zitronenthymian und Zitrusschalen. Das biochemische Profil des Extrakts ist dabei ebenso bedeutsam wie das finale Volumen.

Die Studienlage ist eindeutig: Die Prozessbedingungen formen das Öl. Höhere Temperaturen und ausgedehnte Destillationszeiten drängen spritzige Monoterpene zurück und akzentuieren schwerere Sesquiterpene – mit spürbaren Folgen für Duft und Ertrag. Moderne Verfahrensvarianten greifen diese Prinzipien auf, optimieren jedoch den Energietransfer und minimieren thermischen Stress.

Die wissenschaftliche Tendenz weist in eine klare Richtung: Die europäische Parfümerie verfeinert die traditionelle Hydrodestillation hin zu maximaler Präzision, gesteigerter Ressourceneffizienz und zeitgemäßer Nachhaltigkeit.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Warum verändert die Hydrodestillation das Duftprofil eines Parfüms?

Die Hydrodestillation beeinflusst den Duft, da sich das Pflanzenmaterial während des gesamten Prozesses direkt im siedenden Wasser befindet. Diese thermische Beanspruchung belastet empfindliche Aromastoffe.

Die Folge: Einzelne Moleküle zersetzen sich durch Hydrolyse oder thermischen Abbau. Dabei büßen primär fragile Kopfnoten ihre Frische ein. Statt des lebendigen Aromas der frischen Pflanze kann das resultierende Öl bisweilen flacher, gedämpfter oder subtil gekocht wirken.

Wann ist die Hydrodestillation der Wasserdampfdestillation vorzuziehen?

Für kleinere Manufakturchargen erweist sich die Hydrodestillation oft als vorteilhaft, da der apparative Aufbau einfacher ist und sich unkompliziert in Betrieb nehmen lässt.

Das Pflanzenmaterial kocht hierbei unmittelbar im Wasserbad, anstatt auf einem Rost über dem Dampf zu lagern. Da dieser Dauerkontakt Hydrolyse begünstigen kann, eignet sich die Methode vorrangig für robuste Rohstoffe, die längerer Hitzeeinwirkung standhalten.

Welche Vorgaben der EU gelten für hydrodestillierte ätherische Öle?

EU-Richtlinien regulieren ätherische Öle streng im Hinblick auf Reinheit, Verwendungszweck und Kennzeichnung. Für Parfümeure bedeutet dies die Einhaltung der IFRA-Kategoriengrenzen sowie besondere Sorgfalt bei photosensibilisierenden Ölen wie Zitrusessenzen.

Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 müssen alle der mittlerweile über 80 deklarationspflichtigen Duftallergene auf der Verpackung ausgewiesen werden, sofern sie in Leave-on-Produkten die Konzentration von 1 % überschreiten. In der Praxis erfordert dies regelmäßige Rezepturanpassungen, um den authentischen Duftcharakter unter Wahrung der Konformität zu bewahren.

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