Die Duftindustrie bewegt sich zunehmend in Richtung klimaneutraler Produktion, um ihre Umweltbelastung zu minimieren. Dabei wird herkömmliches Ethanol, das oft aus Agrarprodukten gewonnen wird, durch Ethanol ersetzt, das aus erfassten Industrieemissionen stammt. Ein Beispiel: Coty Inc. brachte 2023 das Gucci — Parfüm „Where My Heart Beats“ auf den Markt. Es verwendet zu 100 % kohlenstoffgecapturtes Ethanol und verringert damit sowohl den Wasserverbrauch als auch die Abhängigkeit von landwirtschaftlichen Ressourcen.
Wichtige Punkte:
Rolle des Ethanols: Macht 80 % der meisten Parfüms aus, wird traditionell aus Rohstoffen wie Zuckerrohr gewonnen, wofür erhebliche Land- und Wassermengen benötigt werden.
Kohlenstoffgecapturtes Ethanol: Nutzt industrielle Abgase, spart Wasser und reduziert Emissionen.
Herausforderungen: Hohe Kosten, technische Hürden und Abhängigkeit von fossilem Kohlenstoff.
Innovationen der Zukunft: Biotechnologie und Upcycling schaffen nachhaltige Duftstoffe – beispielsweise biotechnologisch erzeugtes Sandelholz oder recycelte Zitrusschalen.
Die Branche beschäftigt sich zudem mit Emissionen entlang Produktion, Verpackung und Transport und setzt auf Kompensationen sowie erneuerbare Energien, um die Klimaneutralität zu erreichen. Die Umsetzung in großem Maßstab bleibt jedoch komplex – Kosten und Engpässe in der Lieferkette sind bedeutende Hürden.
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Was bedeutet klimaneutrale Parfümherstellung?
Fünf — Schritte — Prozess zur Erreichung der Klimaneutralität in der Parfümproduktion
Klimaneutralität in der Parfümherstellung bedeutet, die über den gesamten Produktlebenszyklus entstehenden Emissionen auszugleichen – durch Reduzierung, wo möglich, und Kompensation der verbleibenden Mengen. Die Branche folgt dazu meist einem strukturierten Fünf — Schritte — Prozess: Definieren (Ermittlung der Quellen von Treibhausgasemissionen), Messen (Berechnung des CO₂ — Fußabdrucks), Zielsetzung (Festlegung von Reduktionszielen), Reduzieren (interne und externe Veränderungen vornehmen) und Informieren (Transparenz über die Fortschritte).
Diese Strategie konzentriert sich auf drei Hauptbereiche der Emissionen. Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus der Produktion. Scope 2 adressiert indirekte Emissionen, etwa durch gekauften Strom und Energie. Scope 3 – meist der größte Anteil am Klima — Fußabdruck eines Parfüms – deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab: Rohstoffe, Transport, Verpackung und mehr. Diese Kategorien helfen der Branche, wirkungsvolle Reduktions- und Kompensationslösungen umzusetzen, wie sie in diesem Artikel beleuchtet werden.
Emissionen im Lebenszyklus der Parfümherstellung
Für echte Klimaneutralität ist das Verständnis der Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Parfüms essenziell. Vom Bezug der Rohstoffe bis zur Produktion trägt jeder Schritt zum gesamten Fußabdruck bei. Ethanol – etwa 80 % des Gesamtanteils vieler Düfte – ist der Hauptverursacher dieser Emissionen. Traditionell stammt Ethanol aus Kulturpflanzen wie Zuckerrohr oder Zuckerrüben, die große landwirtschaftliche Flächen und viel Wasser benötigen. Diese Anbaumethoden stehen zudem im Zusammenhang mit Abholzung – beispielsweise im Atlantischen Regenwald Brasiliens.
Anfang 2022 erzielte Coty einen großen Durchbruch im Werk Granollers, Spanien, durch die Integration von mehr als 20 Tonnen kohlenstoffgecapturtem Ethanol von LanzaTech in den Produktionsprozess. Dieses Ethanol wird aus recycelten Industrieemissionen statt aus konventionellen landwirtschaftlichen Methoden erzeugt. Dr. Jennifer Holmgren, CEO von LanzaTech, betonte die Bedeutung dieser Innovation:
„Nach zwei Jahren enger Zusammenarbeit mit Coty — Wissenschaftlern zur Entwicklung eines hochreinen Ethanols, das für feine Duftstoffe geeignet ist, freuen wir uns, dass Coty die ersten weltweit verfügbaren Parfüms aus CarbonSmart™ — Ethanol auf den Markt bringt.“
Die Herstellung von kohlenstoffgecapturtem Ethanol benötigt nur noch minimale Wassermengen und verringert die Abhängigkeit von Landwirtschaft drastisch. Die Technologie von LanzaTech kann bis zu 30 % des Erdölverbrauchs ersetzen und weltweit die CO₂ — Emissionen um bis zu 10 % senken.
Die Rolle von Kompensationen und erneuerbaren Praktiken
Neben internen Verbesserungen leisten externe Maßnahmen einen entscheidenden Beitrag zur Klimaneutralität. Im Wesentlichen kommen zwei Strategien zum Einsatz: interne Reduktion (Abbau von Emissionen innerhalb der Lieferkette) und externe Kompensation über CO₂ — Ausgleichsprojekte. Interne Reduktion beinhaltet beispielsweise den Umstieg auf erneuerbare Energien – häufig durch Energy Attribute Certificates (EACs) belegt – zur Senkung der Scope 2 — Emissionen.
CO₂ — Kompensationen wiederum unterstützen Projekte, die Treibhausgase reduzieren oder binden, etwa Aufforstung oder erneuerbare Energien. Diese Projekte generieren Zertifikate, die verbleibende Emissionen ausgleichen. Da Ausgleichszertifikate jedoch keine Gesamtlösung bieten, setzt die Branche verstärkt auf sogenanntes „Insetting“ – also auf die direkte Minderung von Emissionen in der eigenen Wertschöpfungskette.
Sue Nabi, CEO von Coty, hob die doppelten Vorteile dieser Bemühungen hervor:
„Der Umstieg auf kohlenstoffgecapturtes Ethanol ist nicht nur ethisch richtig, sondern ist auch wirtschaftlich sinnvoll – moderne Konsumenten fordern heute selbstverständlich, dass ihre Lieblingsmarken sich für Nachhaltigkeit engagieren.“
Coty hat sich verpflichtet, die absoluten CO₂ — Emissionen bis 2030 um 30 % zu senken – ein klares Signal für langfristige, messbare Umweltziele in der Branche.
Methoden zur Herstellung nachhaltiger Parfüm — Inhaltsstoffe
Die Duftbranche setzt auf modernste Methoden, um ihre Umweltbilanz zu verbessern. Durch Fortschritte in der Biotechnologie und optimierte Extraktion natürlicher Rohstoffe entstehen immer nachhaltigere Wege zur Herstellung von Parfümkomponenten.
Biotechnologie in der Entwicklung von Duftstoff — Inhaltsstoffen
Biotechnologie revolutioniert die Herstellung von Duftmolekülen. Durch metabolisches Engineering werden Mikroorganismen wie Escherichia coli und Saccharomyces cerevisiae in „zelluläre Fabriken“ verwandelt, die Duftstoffe wie Patchoulol, Santalol und Limonen durch Fermentation erzeugen.
Eine besonders innovative Entwicklung ist die Gasfermentation, bei der industrielle Abgase aus der Stahlproduktion in reines Ethanol umgewandelt werden. LanzaTech hat bereits über 20 Millionen Gallonen dieses Ethanols produziert und dadurch die Freisetzung von 115.000 Tonnen CO₂ verhindert. Der Prozess kommt mit minimalem Wasser- und Flächenbedarf aus.
Im Mai 2021 gelang BASF und LanzaTech ein Meilenstein: Im Labormaßstab wurde n — Octanol per Gasfermentation aus industriellen Abgasen wie Kohlenmonoxid und Wasserstoff gewonnen. Die so hergestellten Fettsäuren können Palmöl- oder erdölbasierte Rohstoffe in Kosmetik und Parfüms ersetzen. Freya Burton, Chief Sustainability Officer von LanzaTech, zeichnet eine Zukunft, in der Ausgangsstoffe wie Ethanol ausschließlich aus Restkohlenstoff gewonnen werden:
„Wir sehen eine Zukunft, in der Landbau möglichst der Lebensmittelproduktion vorbehalten bleibt. Andere Rohstoffe, etwa Ethanol, entstehen direkt aus Abfallkohlenstoff.“
Ein weiteres Beispiel ist Symrises „Dreamwood“, ein nachhaltiges Sandelholz — Molekül aus Fermentation. Im Gegensatz zu traditionellem Sandelholz, das über 25 Jahre zur Reife des Baumes benötigt, liefert diese Biotech — Lösung gleichbleibende Qualität und umgeht die ökologischen Herausforderungen des Holzeinschlags. Zudem ermöglicht Biotechnologie die Herstellung enantiomerreiner Substanzen – eine Präzision, die durch natürliche Ernten wegen saisonaler Schwankungen oft fehlt.
Während Biotechnologie die Inhaltsstoffsynthese revolutioniert, entwickeln sich auch traditionelle Methoden in Richtung effizienterer Ressourcennutzung weiter.
Natürliche Extraktionsmethoden
Parallel zu biotechnologischen Fortschritten senken verbesserte Extraktionsverfahren die Umweltbelastungen. Techniken wie die superkritische CO₂ — Extraktion gewinnen an Bedeutung – sie ermöglichen das Recycling von Lösungsmitteln und minimieren chemische Rückstände. Zudem ist der Energieverbrauch niedriger als bei herkömmlicher Wasserdampfdestillation und erzeugt besonders reine Duftstoffe.
Auch das Upcycling revolutioniert die Branche. Givaudans „Citrus Circularity“ — Programm verwandelt Rückstände aus der Saftherstellung – wie Orangen-, Zitronen- und Grapefruitschalen – in hochwertige ätherische Öle. So reduziert sich die Notwendigkeit eigener Duftstoffkulturen, indem Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie zu wertvollen Rohstoffen werden. Durch die Schließung des Ressourcenkreislaufs wird Upcycling zum Eckpfeiler der Nachhaltigkeitsstrategie.
Merkmal
Traditionelle Pflanzliche Extraktion
Chemische Synthese
Biotechnologie (Mikrobiell)
Quelle
Pflanzen (z. B. Zuckerrohr, Blüten)
Erdöl/Fossile Brennstoffe
Abfallkohlenstoff, Biomasse oder Zucker
Kohlenstoffbilanz
Hoch (Abholzung, Transport)
Hoch (fossile Abhängigkeit)
Niedrig bis negativ
Konsistenz
Variabel (saisonal/klimatisch)
Hoch
Hoch
Skalierbarkeit
Begrenzt durch Flächenverfügbarkeit
Hoch, aber ressourcenintensiv
Steigend
Diese Fortschritte lenken die Duftindustrie zu einer klimaneutralen Produktion. Durch die Abkehr von ressourcenintensiven Extraktionen und den Umstieg auf Verfahren, die aktiv Abfall und Emissionen reduzieren, definieren Parfümeure Nachhaltigkeit in der Welt exklusiver Düfte neu.
Technologien und Partnerschaften für Klimaneutralität
Die Duftbranche greift auf modernste Technologien und Kooperationen zurück, um ihren Weg zur klimaneutralen Produktion zu beschleunigen. Diese Initiativen verändern, wie Zutaten bezogen, Umweltauswirkungen gemessen und nachhaltige Prozesse skaliert werden.
KI — Tools zur Reduzierung des CO₂ — Fußabdrucks
Innovative digitale Werkzeuge helfen Marken dabei, ihre CO₂ — Emissionen präzise zu messen und zu senken. So ermöglichen Eco — Design — Systeme heutzutage, den Einfluss der Rezepturen genau zu berechnen. Besonders bemerkenswert sind „Ingredients Checker“, mit denen die Nachhaltigkeit von Zutaten schon vor ihrer Verwendung im Endprodukt beurteilt wird.
Das ist besonders relevant, da Ethanol bis zu 95 % einer Duftrezeptur ausmachen kann. Mithilfe von Technologie, um die Nutzung dieses zentralen Bestandteils gezielt zu steuern, können Marken ihren Klima — Fußabdruck deutlich verringern. Gleichzeitig unterstützen diese Tools die Lieferkettentrennung – Firmen können so über das „Massenbilanz“ — Prinzip hinausgehen und Produkte ausschließlich mit recyceltem Kohlenstoff entwickeln.
Solche Innovationen bilden die Basis für umfassendere Kooperationen, die für echte Klimaneutralität in der Branche unerlässlich sind.
Partnerschaften als Motor für Nachhaltigkeit
Digitale Tools sind unverzichtbar, doch ebenso entscheidend sind strategische Partnerschaften für nachhaltige Veränderungen in der Parfümproduktion. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Zusammenarbeit von Coty und LanzaTech, aus der im April 2023 Guccis „Where My Heart Beats“ Eau de Parfum hervorging – das erste global eingeführte Parfüm auf Basis von 100 % kohlenstoffgecapturtem Alkohol. Coty — CEO Sue Y. Nabi unterstreicht die Bedeutung der Partnerschaft:
„Nachhaltigkeit ist der ultimative Innovationstreiber, und Coty konzentriert sich darauf, herausragende Produkte zu kreieren, die wirklich „clean und green“ sind. Ethanol ist die wichtigste Zutat in der Kategorie Parfüm – und diese Partnerschaft mit LanzaTech wird den ökologischen Fußabdruck unserer Produkte langfristig erheblich verringern.“
Ein weiterer Meilenstein wurde von drei LVMH — Marken erreicht – Parfums Christian Dior, Givenchy Parfums und Kenzo – die sich mit der Genossenschaft CristalCo zusammentaten, um 380 Hektar Rübenanbaufläche in Frankreich auf Agrarökologie umzustellen. Durch regenerativen Landbau wird jetzt kohlenstoffarmer Alkohol produziert, der mittlerweile ca. 45 % des Alkoholbedarfs der Marken abdeckt. Ab Anfang 2025 begann zudem Intact Regenerative in der Nähe von Orléans, Frankreich, mit patentierter Technologie die Verarbeitung von Hülsenfrüchten – mit über 80 % weniger Emissionen und 75 % weniger Wasserbedarf als bei herkömmlichen Verfahren.
Diese Beispiele zeigen, wie Technologie und Kooperation die Duftbranche transformieren und einen neuen Standard für Nachhaltigkeit setzen.
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Der Umstieg auf klimaneutrale Parfümproduktion bringt messbare ökologische Vorteile. Eine bahnbrechende Innovation ist die Kohlenstoffabscheidung, bei der Industrieabgase – beispielsweise aus Stahlwerken – zu hochreinem Ethanol verarbeitet werden. So wird nicht nur die Freisetzung von Treibhausgasen in die Atmosphäre verhindert, sondern auch eine nachhaltige Alternative zum traditionellen Ethanol geschaffen. Da Alkohol etwa 80 % einer Parfümrezeptur ausmacht, wird der Klima — Fußabdruck der Branche erheblich reduziert.
Ein weiterer bedeutender Vorteil: der geringere Wasserverbrauch. Untersuchungen zeigen, dass die Alkoholproduktion aus erfasstem Kohlenstoff deutlich weniger Wasser benötigt als herkömmliche landwirtschaftliche Methoden. Durch die geringere Beanspruchung von Agrarflächen werden zudem Lebensräume erhalten und die Artenvielfalt gefördert. Diese Fortschritte unterstreichen, wie die Duftindustrie ihren ökologischen Fußabdruck sichtbar verringert.
Angesichts der Prognose, dass der Markt für Duft- und Aromastoffe bis 2025 etwa 800.000 Tonnen Material produziert, ist das Potenzial für nachhaltige Veränderungen enorm. Neben Emissionsreduktionen setzt die Branche zunehmend auf Upcycling, um die Ressourcennutzung zu optimieren.
Upcycling und Ressourceneffizienz
Upcycling ist ein Schlüsselfaktor für ein zirkuläres Produktionsmodell, indem Abfall in wertvolle Duftstoffe verwandelt wird. Wie Dr. Shimei Fan, Chief Scientific & Sustainability Officer bei Coty, treffend formulierte:
„Dies ist Upcycling in seiner Perfektion ... Wir wandeln Industrieemissionen, die sonst einfach in der Atmosphäre verschwänden, in Alkohol für unsere Düfte um.“
Dieser Ansatz reduziert nicht nur Abfälle, sondern zeigt beispielhaft, wie innovative Lösungen Nachhaltigkeit in der Parfümwelt neu definieren.
Herausforderungen und Forschungsbedarf in der klimaneutralen Parfümherstellung
Biotechnologie und nachhaltige Praktiken im großen Maßstab
Die Produktion klimaneutraler Parfüms im großen Stil ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Die Umwandlung von industriellem CO₂ in Ethanol ist teuer und technisch komplex. Martin Mulvihill, Mitbegründer und Managing Partner von Safer Made, bringt es auf den Punkt:
„Da CO₂ nur ein Kohlenstoffatom enthält, ist dessen Zusammenführung zu mehrkettigem Alkohol sehr energieaufwändig.“
Die fragmentierte Struktur der Duftbranche erschwert den Aufbau nachhaltiger Lieferketten: Zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen agieren unabhängig voneinander, wodurch gemeinsame Standards schwer durchzusetzen sind. Große Konzerne können teure Biotechnologie und KI — Rezepturen umsetzen, aber kleinere Hersteller fehlt meist das Kapital. Hinzu kommen Klimaextreme, die den Nachschub an natürlichen Rohstoffen zusätzlich gefährden.
Auch natürliche Alternativen sind oft problematisch. Zum Beispiel benötigt nachhaltiges Sandelholz mindestens 20 Jahre, bis das wertvolle Kernholz geerntet werden kann – ein Vorlauf, der viel Geduld und finanzielle Stabilität erfordert und viele Produzenten überfordert.
Diese operativen Hindernisse schlagen auf die finanzielle und wissenschaftliche Seite durch.
Kosten und langfristiger Nutzen ins Gleichgewicht bringen
Die Finanzierung nachhaltiger Innovationen ist eine weitere große Hürde für die Duftbranche. Im Durchschnitt investieren Parfümhersteller rund 8 % ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Die Umstellung auf nachhaltige Methoden verlangt jedoch erhebliche Anfangsinvestitionen in neue Technologien und Infrastruktur. Hochwertige Parfüms mit kohlenstoffgecapturtem Alkohol sind häufig teuer, was die Kosten widerspiegelt.
Besonders herausfordernd ist die Analyse der Scope 3 — Emissionen – sie machen etwa 95 % des Klima — Fußabdrucks von natürlichen Duftstoffen aus. Bernard Toulemonde, Berater und Experte für Naturrohstoffe, verdeutlicht diese Lücke:
„Man sieht sofort, wie groß die Diskrepanz zwischen den bisherigen Daten – meist nur zu Scope 1 und 2 – und dem tatsächlichen Fußabdruck über die gesamte Wertschöpfung ist.“
Eine weitere Herausforderung ist die Datenbeschaffung. Duftformulierungen sind streng gehütete Geheimnisse, was umfassende Lebenszyklusanalysen nahezu unmöglich macht. Ohne Standardverfahren und transparente Datenteilung bleiben effektive CO₂ — Reduktionsstrategien schwer umsetzbar.
Diese finanziellen und datenbezogenen Herausforderungen zu überwinden, ist entscheidend, um das volle Potenzial der klimaneutralen Produktion zu heben. Nur so kann die Branche ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen und zugleich ihre langfristige wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Fazit
Der Trend zur klimaneutralen Produktion verändert die Duftwelt – und definiert neu, wie Parfüms komponiert, vermarktet und wahrgenommen werden. Durch die Substitution von Petrochemikalien und konventionellem landwirtschaftlichem Ethanol mit kohlenstoffgecapturtem Alkohol und biotechnologisch gewonnenen Rohstoffen wird Industrieabfall in Luxusprodukte verwandelt – Upcycling auf höchstem Niveau.
Dieser Wandel bedeutet nicht nur ökologische Verantwortung, sondern bringt auch messbare Geschäftsvorteile. Studien zeigen, dass nachhaltige Praktiken Kosten senken und das Wachstum fördern können. Millennials und die Generation Z, die Transparenz und Verantwortlichkeit verlangen, treiben die Branche zu mehr Nachhaltigkeit. Der Preis des Gucci — Duftes von 330 € für 100 ml zeigt, dass Luxus und Nachhaltigkeit wunderbar miteinander harmonieren können – Innovation muss keinen Kompromiss beim Premiumanspruch bedeuten.
Damit die Branche diesen Wandel vollzieht, müssen Marktführer Nachhaltigkeit konsequent in F&E — Initiativen integrieren. Die Ausrichtung an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, der Einsatz von Instrumenten wie dem EcoScent Compass und Investitionen in nachfüllbare Verpackungen sind dafür unerlässlich. Auch Verbrauchende spielen eine Schlüsselrolle, indem sie Marken unterstützen, die sich zu Transparenz und Lebenszyklusanalyse verpflichten – und setzen damit ein starkes Zeichen an den Markt.
Am Ende ist die klimaneutrale Parfümproduktion weit mehr als ein Trend: Sie ist ein zukunftsweisender Ansatz, der Industrieemissionen in edle Duftstoffe verwandelt. Das ist nicht nur Fortschritt – es ist ein erster Blick in die Zukunft der Parfümerie.
FAQs
Wie macht der Einsatz von kohlenstoffgecapturtem Ethanol die Parfümherstellung nachhaltiger?
Kohlenstoffgecapturtes Ethanol bietet eine zukunftsweisende Alternative zu herkömmlichem Ethanol auf Maisbasis. Hierbei wird industrielles CO₂ in Alkohol umgewandelt und so der ökologische Fußabdruck massiv verringert. Im Gegensatz zum Ethanhol aus Mais wird nahezu kein Wasser verbraucht, keine Ackerflächen benötigt und der Einsatz von Düngemitteln und Herbiziden entfällt vollständig.
Durch die signifikante Reduzierung der klimarelevanten Emissionen im gesamten Produktionsprozess leistet dieses Verfahren einen Beitrag zum Klimaschutz und fördert die Biodiversität. Es markiert einen entscheidenden Schritt hin zur klimaneutralen Duftkreation.
Mit welchen Herausforderungen kämpfen Marken bei der Entwicklung klimaneutraler Parfüms?
Die Herstellung klimaneutraler Parfüms ist ein ambitioniertes Unterfangen, und die Herausforderungen beginnen bereits bei den Rohstoffen. Nachhaltige Inhaltsstoffe zu finden ist eine große Hürde. Beliebte Duftklassiker wie Sandelholz und Rosenöl stammen oftmals von langsam wachsenden Pflanzen oder werden übererntet. Verantwortungsvolles Aufforsten, der Aufbau ethischer Lieferketten und die enge Zusammenarbeit mit lokalen Communities sind notwendig – all das erhöht die Komplexität und die Kosten.
Auch der Herstellungsprozess selbst ist herausfordernd. Konventionelle Methoden zur Gewinnung ätherischer Öle benötigen erhebliche Mengen an Energie und Wasser und verursachen viel Abfall. Der Umstieg auf klimafreundliche Alternativen – wie biobasierte Lösungsmittel oder kohlenstoffgecapturtes Ethanol – verlangt hohe Investitionen in neue Infrastruktur. Zudem sind umfangreiche Tests nötig, um sicherzustellen, dass die Qualität des Endprodukts nicht leidet.
Ein weiterer Aspekt ist die wissenschaftsbasierte Emissionsmessung und der Einsatz grüner Technologien. Häufig entstehen hier hohe Anfangskosten, was insbesondere kleinere Marken vor Herausforderungen stellt. Das Gleichgewicht zwischen notwendigen Investitionen und erschwinglichen Preisen ist für klimaneutrale Parfüms essenziell.
Wie macht Biotechnologie und Upcycling Duftstoffe nachhaltiger?
Biotechnologie und Upcycling verändern die Duftwelt grundlegend. Durch innovative Verfahren werden fossile Rohstoffe in Duftstoffen durch nachhaltige Alternativen ersetzt. Ein Beispiel ist der Einsatz mikrobieller Technologie, um Industrieemissionen wie kohlenstoffreiche Gase in erneuerbares Ethanol und ätherische Duftmoleküle umzuwandeln. So sinkt die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen und der Klima — Fußabdruck deutlich.
Upcycling verleiht vermeintlichen Abfallstoffen ein neues Leben. Hierbei werden Nebenprodukte oder Reste in wertvolle Duftstoffe umgewandelt, Ressourcen geschont und Abfall reduziert. Gemeinsam ebnen diese Innovationen den Weg für eine nachhaltigere Parfümindustrie – durch weniger Treibhausgase, geringere Abhängigkeit von Petrochemie und die Förderung einer Kreislaufwirtschaft. Doch auch hier gibt es Herausforderungen bei Skalierung und Kosten, die auf dem Weg zur klimaneutralen Produktion gelöst werden müssen.